Die Earnings Analyse.
Meinung zu Sprout Social und BILL Holdings.
Uuh-uhh, Aah-ahh, meine lieben Affenfreunde.
Gestern gab es Quartalszahlen bei SPT und BILL, weshalb ich gemeinsam mit euch ein Mal darauf schauen möchte.
Fangen wir gleich an.
Sprout Social (SPT)
Paar Kennzahlen für einen groben Überblick:
Der Umsatz lag bei $121.5M, oder +11.2% YoY (erwartet waren $120.3M)
GAAP EPS Verlust lag bei $-0.11 (erwartet waren $-0.22)
Anzahl Kunden, die jährlich mehr als $50.000 an Sprout Zahlen: 2,805 damit +18% YoY
Was mir nicht gefällt:
Keine Nachricht bezüglich CFO Besetzung
Sonstiges:
Das erste Mal in der Unternehmensgeschichte ein Aktienrückkaufprogramm über $50M, was rund 12,5% der aktuellen Marktkapitalisierung entspricht.
Weitere Anmerkungen:
RPO (Remaining Performance Obligations), also vertraglich zugesicherter zukünftiger Umsatz, der noch nicht fällig ist) lag bei $395.3M. Das entspricht einem YoY (Year-over-Year) Anstieg von rund 10%, verglichen zum letzten Quartal sind die RPO aber um 2% geringer ausgefallen. Letzteres wirkt auf den ersten Blick sehr schlecht, dazu muss man aber wissen, dass das unterjährig bei Sprout passieren kann, dass diese Zahl von Quartal zu Quartal auch sinken kann. Das hatten wir beispielsweise auch in Q2 2025 ($347M) zu Q1 2025 ($360.2M). Sprout hat die meisten Vertragsverlängerungen in Q4 eines Jahres, weshalb der RPO Vergleich in Q4 am aussagekräftigsten ist.
Zum Aktienrückkaufprogramm: Ich möchte die Erwartungen an das Rückkaufprogramm ins Verhältnis setzen. Die $50M finde ich gut gewählt, das ist mit dem Cash-Flow gut handlebar ohne bei anderen notwendigen Investitionen sparen zu müssen. Auch der Zeitpunkt ist sinnvoll gewählt. Solange Sprout Social bezogen auf EV/Sales Bewertung bei unter x1 gehandelt wird und mit deutlichem Abschlag bezogen auf ähnliche Unternehmen, kann man davon ausgehen, dass die Aktien zu einem unterbewerteten Zeitpunkt zurückgekauft werden. Gleichzeitig muss man aber auch verstehen, dass mit dem Rückkaufprogramm eher nur die Verwässerung aufgrund von aktienbasierter Vergütung “aufgefangen” wird. Im letzten Quartal lagen die SBC (Stock-based compensation) Ausgaben bei rund $18M. Das Rückkaufprogramm gleicht quasi 3 Quartale an SBC aus. Das ist in Summe immer noch positiv, aber es ist weniger positiv als die “News” selbst erstmal klingt. Dazu sei noch gesagt: Aktienbasierte Vergütung ist nichts Sprout Social spezifisches, das haben die meisten Software Unternehmen.
Meine Meinung:
Ich fand die Zahlen leider weniger gut als erhofft. Beim Umsatz hätte ich gerne $2M mehr gesehen, beim RPO gab es keine positive Überraschung. Daneben hätte ich gerne einen neuen CFO gesehen.
Gleichzeitig scheint das Management den Ernst der Lage die letzten beiden Quartale erkannt zu haben und arbeitet endlich aktiv am Aktienkurs. Der Profitabilitäts-Plan im letzten Quartal und das Aktienrückkaufprogramm in diesem Quartal, um der Verwässerung durch SBC entgegenzuwirken - das sind beides Punkte, die ich bereits letztes Jahr in meinem Open Letter gefordert hatte.
Ich persönlich senke mein Kursziel von $20 in Richtung $15 - mit den Daten/Informationen Stand heute. Die Entscheidungen vom Management werden besser, aber operativ ist mehr Luft nach oben als zuvor.
Positiv bei der aktuellen Bewertung bleibt, dass der Strategiewechsel zu größeren Kunden weiterhin funktioniert (auch wenn abflachend), die Bewertung des Unternehmens bereits einen Großteil an möglichen Risiken eingepreist hat, dass das Management inzwischen aktiv versucht am Aktienkurs zu arbeiten und dass die Dual-Class-Aktienstruktur Ende des Jahres endet, wodurch die Tür für mögliche Akquisitionen oder aktive Investoren geöffnet wird.
Negativ (aber aus meiner Sicht größtenteils eingepreist) ist, dass das Umsatzwachstum leicht nachgibt - das muss weiter beobachtet werden, allerdings wird hier erst Q4 ein aussagekräftiges Ergebnis liefern können aufgrund von Sprout Socials Besonderheit, dass die meisten Kundenverträge in Q4 verlängert werden.
BILL Holdings (BILL)
Ich werde mich hier deutlich deutlich kürzer halten, weil aus meiner Sicht vieles top ist.
Paar Kennzahlen für einen groben Überblick:
Der Umsatz lag bei $406.56M, oder +13.5% YoY (erwartet waren $403.76M)
GAAP EPS Gewinn lag bei $0.13 (erwartet war ein Verlust von $-0.10)
Sonstiges:
Die Mitarbeiteranzahl soll bis Ende von Q4 um bis zu 30% gesenkt werden. Da sieht man was möglich ist, wenn aktivistische Investoren im Spiel sind - es wird ordentlich an der Profitabilität geschraubt.
Das Board hat ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von $1 Milliarde autorisiert, das entspricht rund 25% der aktuellen Marktkapitalisierung.
Meine Meinung:
Ich fand die Zahlen super und begrüße die Entscheidung mit den geplanten Entlassungen. Natürlich ist das für die betroffenen Personen nicht schön, aber als Investor möchte man in einem schlanken und profitablem Unternehmen investiert sein.
Man merkt, dass hier aktivistische Investoren im Spiel sind, die wissen was getan werden muss, um Investoren und Shareholder glücklich zu machen.
Bei BILL bin ich nach den Earnings bullischer als zuvor. Selbst wenn es keinen Take-Private Versuch durch Hellman & Friedman (H&F) - Gerüchte dazu gab es nach den letzten Quartalsergebnissen im Februar - geben sollte, bleibe ich dabei, dass der Aktienkurs ordentlich Potential nach oben hat.
Anbei ein paar vorbörsliche Kursreaktionen auf weitere Software Quartalsergebnisse von gestern:
Trade Desk (TTD) wird aktuell Pre-Market bei rund -12.5% gehandelt.
Cloudflare (NET) wird aktuell Pre-Market bei rund -18% gehandelt.
Toast (TOST) wird aktuell Pre-Market bei rund -10% gehandelt.
HubSpot (HUBS) wird aktuell Pre-Market bei rund -25% gehandelt.
Im Vergleich dazu scheinen die ersten Reaktionen bei Sprout Social und BILL durchaus positiv. Dennoch besteht die Gefahr, dass beide von den anderen negativen Software Kursreaktionen mit runter gezogen werden. Das war bei beiden aus meiner Sicht bereits die letzten Monate der Fall, dass die Kurse eher Sektor-bedingt gesunken sind und es weniger um die einzelnen Unternehmen an sich geht.
So viel von mir. Nun muss man schauen was der Markt daraus macht.
Bis dahin!

